Musik ist ein Zusammenspiel von Tönen. Töne klingen. Jeder Ton hat zwei grundlegende Eigenschaften: Er hat eine bestimmte Tonhöhe, auf der er erklingt, und er erklingt über eine bestimmte Zeitspanne, hat also eine Dauer. Beide Eigenschaften versuchen wir in der Notenschrift festzuhalten und aus ihr herauszulesen. Notenschrift ist keine neue Erfindung. Bereits in der griechischen Antike wurde ein Tonsystem mit dazugehöriger Notation entwickelt. Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert wurden verschiedene Notenschriften genutzt, die sich sowohl in der Fixierung der Tonhöhen als auch der rhythmischen Darstellung der Töne unterscheiden. Als erste Notationszeichen entwickelten sich die Neumen. Die Neumen deuten im wesentlichen Melodieverläufe, melodische Floskeln an. Sie waren wohl hauptsächlich eine Memorierhilfe für den einstimmigen gregorianischen Choral. Exakte Tonhöhen und Tondauer werden durch Neumen nicht erfasst. Daher eignen sie sich auch nicht für die Darstellung mehrstimmiger Musik.

Csg-0391_009Abb. 1 Neumen,  Codex St. Gallen 391, p. 9

Die mehrstimmige Musik hat um 1200 ihre erste Blütezeit mit den »Organa« von Notre Dame in Paris. Komponiert von den Meistern Leoninus und Perotinus, sind sie die ersten überlieferten zwei-, drei-, und vierstimmigen Stücke. Notiert sind sie in der sogenannten »Modalnotation«.

Perotin_-_Alleluia_nativitas   Abb. 2 Modalnotation, Perotinus

Ungefähr vom 13. – 16. Jahrhundert wurde die Mensuralnotation genutzt. Sie reicht von der »Ars Antiqua« mit ihren noch häufig einstimmigen Kompositionen, zu der Komponisten wie Johannes de Garlandia und Adam de la Halle gehören, über die »Ars Nova«, in der die Mehrstimmigkeit zur Norm wird, und für die stellvertretend die Namen Philippe de Vitry und Guillaume de Machaut genannt seien, bis in die »Ars subtilior«. Zunehmend gewinnt sie an Komplexität, sie wird rhythmisch verfeinert und erobert sich einen größeren Tonraum.

Barbireau_illumAbb. 3 Mensuralnotation des frühen 16. Jahrhunderts

Um 1600 wird die bis dahin vorherrschende Vokalpolyphonie, ausgehend von Italien, durch das Generalbasszeitalter abgelöst. Generalbass bezeichnet das nun obligate begleitende Instrument zum ein- oder mehrstimmigen Gesang. Notiert werden Harmonien über einer Basslinie durch ein Ziffernsystem, das die über dem jeweiligen Basston zu spielenden Intervalle angibt.

C_Ph_E_Bach_VersuchAbb. 4 Generalbass, aus C.P.E. Bach: Versuch über die wahre Art, das Clavier zu spielen

Erst gegen 1700 setzt sich die uns geläufige, durch Taktangaben und Taktstriche geprägte Notation durch. In der modernen bzw. zeitgenössischen Musik wird zum Teil auf andere Darstellungsweisen zurückgegriffen, sofern das traditionelle Notensystem den Komponistinnen und Komponisten nicht geeignet zur Darstellung ihrer Kompositionen erscheint.

K626_Requiem_MozartAbb. 5 Seite aus Mozarts Requiem, KV 626



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